Das Antoniusheim im Wandel der Zeit


Ein mutiger Anfang                

  • bild-19-jahundert

Es war das Jahr 1919, der erste Weltkrieg war gerade zu Ende, überall herrschte tiefe Not und Verzweiflung, Arbeitslosigkeit, Hunger und Trauer um die vielen Gefallenen, die nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt waren.


In diesen Tagen stiftete das Wiesbadener Ehepaar Anna und Emil Ruppert der Pfarrgemeinde Maria Hilf einen Teil seines Vermögens, mit dem das Kurheim am Bahnholz erworben werden konnte. Es bestand damals aus einem Hauptgebäude, der späteren Frauenklinik und einem Kinderheim, das an der Stelle des jetzigen Altenwohnheims stand. Dazu gehörten die landwirtschaftlichen Gebäude mit Gartenhalle, Treibhaus und Gerätehaus.


Im Hauptgebäude wurden zu dieser Zeit Kurgäste betreut, es wurden Exerzitien gehalten, Tagungen und Kurse durchgeführt. In zwei Speisesälen konnten 200 Personen Platz finden. Bereits zu dieser Zeit hatte das Haus eine eigene Kapelle.


Im Kinderheim wurden 60 eltern- und mittellose Buben betreut. Sie schliefen in mehreren großen Räumen und besuchten die im Haus untergebrachte einklassige eigene Heimschule. Große Sorge bereitete damals die Beschaffung von Bekleidung, Wäsche und Schuhen für die Kinder. Durch die eigene Landwirtschaft wurden Kurgäste und Kinder mit »frischen Lebensmitteln« versorgt. Ein eigener Brunnen im »Echotal« förderte das gesamte Brauchwasser für Gebäude und Landwirtschaft.


Trotz der schweren Zeit herrschte frohes und reges Leben am Bahnholz.

 

  • anne-und-emil-ruppert
  • pfarrer-hilfreich

Inzwischen hatte das »Kurheim« durch den damaligen Vorsitzenden der Kuratoriums und späteren Bischof von Limburg, Dr. Antonius Hilfrich, den Namen Antoniusheim erhalten.
Ordensschwestern - ursprünglich Ausgustinerinnen, später Erlenbader Franziskanerinnen - sorgten für das leibliche Wohl der Kinder und Kurgäste.


Über die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung sind nur mangelhafte Unterlagen vorhanden. Es steht aber fest, dass die Schwestern in der Stadt betteln und die Einnahmen aus dem Erholungsheim herhalten mussten, um die Verluste im Kinderheim zu decken. Wie knapp das Geld war, ist daraus zu erkennen, dass der Pflegesatz pro Kind 1,00 RM täglich betrug, während die Vollpension im Kurheim bei vier Mahlzeiten täglich immerhin 3,50 RM erbrachte.